17. September 2019, 20 Uhr, Frankfurt am Main
Der Staatsrechtler, Politologe und Historiker Wolfgang Abendroth (1906 – 1985) gilt als einer der prägendsten politischen Intellektuellen der frühen Bundesrepublik.
Sozialisiert in der Arbeiterbewegung, kämpfte er im Widerstand gegen den Faschismus, zuletzt an der Seite der griechischen Partisanen. Schon als junger Student und Theoretiker der Arbeiter- und Jugendbewegung, in illegalen Zirkeln im Widerstand und im Zuchthaus und seit 1951 als Hochschullehrer an der Philipps-Universität Marburg hatte er maßgeblichen Einfluss auf die politische und wissenschaftliche Diskussion innerhalb der Linken – und darüber hinaus. Die Sozialdemokratie (die ihn 1961 wegen seiner Solidarität mit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund/SDS ausschloss), die „Neue Linke“ und die Gewerkschaftsbewegung, aber auch Rechtswissenschaftler, Politologen und Historiker in Europa, Afrika, Lateinamerika und den USA verdanken ihm bis heute maßgebliche Impulse.
Er war engagiert in der Bewegung gegen die Wiederbewaffnung und gegen die atomare Aufrüstung, initiierte den Widerstand gegen die Notstandsgesetze, arbeitete eng mit linken Gewerkschaftern zusammen und war einer der Mentoren der Studentenbewegung, der „68er“. Bis zu seinem Tod blieb er Ansprechpartner für Aktivist_innen aus aus den unterschiedlichsten politischen Organisationen und Bewegungen in Europa und ein vielgefragter Redner und öffentlicher Diskutant.
In Frankfurt erinnert nichts an ihn. Die wenigsten wissen: Der „Partisanenprofessor im Lande der Mitläufer“ (Jürgen Habermas) hat die meiste Zeit seines bewegten Lebens in Frankfurt am Main verbracht.
Es wäre eine Diskussion zu wünschen, die aktuelle Probleme mit dem Erbe Abendroths konfrontiert.“ (Über die Vergesellschaftung von Grund und Boden wird schon wieder debattiert …)
Veranstalter – Denkbar e. V., Veranstaltungsort: Denkbar, Spohrstraße 46a, 60318 Frankfurt am Main
Weitere Informationen unter: http://s751953706.online.de/?p=15132