Der 8. Mai, der Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, war und ist (sofern sie noch leben) in jedem Jahr für die Menschen, die im Widerstand gekämpft haben, ein außergewöhnlicher Tag. Manche von ihnen sagen, es sei ihr zweiter Geburtstag gewesen. Für hunderttausende Menschen in ganz Europa öffneten sich die Tore der Konzentrations- und Vernichtungslager, der Gefängnisse und Zuchthäuser. An diesem Tag gedenken wir an die, die für die Befreiung kämpften – aber auch an die, die diesen Tag nicht mehr erleben konnten, weil sie in den Jahren zuvor ermordet wurden, im Kampf gegen den Faschismus fielen oder noch nach der Befreiung an den Folgen von Haft, Folter und Entbehrung starben. Und wir gedenken der vielen Menschen, die Opfer der Nazidiktatur wurden.

1967 gründeten überlebende Widerstandskämpfer*innen den Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V. mit dem Ziel, dafür zu sorgen, dass der vielfältige zivile Widerstand gegen die Nazis in der Bundesrepublik endlich anerkannt und gewürdigt wird und dass er auch der jüngeren Generation im Geschichtsunterricht vermittelt wird. Das Motto lautete: Forschen, erinnern, vermitteln. Mit viel ehrenamtlichen Engagement setzt der Studienkreis diese Ziele um. Mit seiner Bibliothek und seinem Dokumentationsarchiv sowie mit seinen Veröffentlichungen, Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekten ermöglicht er eine Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte auch 75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus.

Der 8. Mai ist für den Vorstand des Studienkreises sowie alle Mitarbeiter*innen ein besonderer Tag, ein Tag der Freude, des Gedenkens aber auch ein Tag, an dem wir uns unserer Aufgabe bewusst sind, das Vermächtnis der mutigen Menschen im Kampf gegen den Faschismus weiterzutragen und dafür zu sorgen, dass sich derartiges nicht wiederholt.n Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V. mit dem Ziel, dafür zu sorgen, dass der vielfältige zivile Widerstand gegen die Nazis in der Bundesrepublik endlich anerkannt und gewürdigt wird und dass er auch der jüngeren Generation im Geschichtsunterricht vermittelt wird. Das Motto lautete: Forschen, erinnern, vermitteln. Mit viel ehrenamtlichen Engagement setzt der Studienkreis diese Ziele um. Mit seiner Bibliothek und seinem Dokumentationsarchiv sowie mit seinen Veröffentlichungen, Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekten ermöglicht er eine Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte auch 75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus.

Auch für die Vorstandsmitglieder des Studienkreises – unter ihnen auch Kinder von Widerstandskämpfer*innen, hat dieser Tag eine besondere Bedeutung. Hier Statements dazu, welche Bedeutung der 8. Mai für sie selbst bzw. ihre Eltern hatte und hat. 

 

"Natürlich ist es ein Tag zum Feiern! Deutschland hat in halb Europa gebrandschatzt und gemordet.
Das hatte am 8. Mai ein Ende und die Welt atmete auf."

Werner Hartl

 

 

 

"Am 8. Mai 1945 tanzten meine Eltern mit tausend anderen in den Straßen von London. Man feierte den V-Day, den Victory Day. Vorbei der Krieg, der in London Blitzangriffe und Hunger und ständige Angst vor dem Einmarsch der deutschen Armee bedeutete. Der für viele den Verlust des gefallenen Vaters oder Sohnes bedeutete. Meine Eltern tanzten, denn sie konnten wieder hoffen, nach Deutschland zurückzukehren. Zu erfahren, wie es ihren Familien ergangen war. Hoffen, dass Deutschland wieder in eine demokratische Normalität zurück kehren konnte.
Wenig später fuhr mein Vater für den BBC nach Deutschland, um über die Situation dort zu berichten. Die Not der Bevölkerung in den zerstörten Städten, die Verschlagenheit der alten Nazis, das Vergessen der Mitläufer, der Nürnberger Prozess. Es gab nichts mehr zu tanzen. Aber am 8. Mai tanzten sie bis in die Morgenstunden."

Dr. Ann Anders

 

 "Den 8. Mai 1945 haben meine beiden Eltern auf eine sehr unterschiedliche Weise und an verschiedenen Orten erlebt – gemeinsam ist beiden, dass es die Engländer waren, die sie befreiten.

Meine Mutter – Irmgard Heydorn – erlebte den 8. Mai in Hamburg nach Jahren illegaler politischer Arbeit – sie war 29 Jahre alt im Mai 1945 und hatte 12 Jahre Diktatur erlebt, ihre ganze Jugend, wie sie selbst sagte. Den 8. Mai schilderte sie selbst so:

'Am 8. Mai 1945 rollten englische Panzer durch die Oderfelderstraße. Ich sah durch mein Turmfenster und war seit langem nicht so glücklich wie in diesem Moment. Endlich hatte die Bedrückung, die Qual ein Ende. Wir waren befreit. Doch ohne äußere Hilfe haben wir es nicht geschafft - dazu war der Widerstand innerhalb der Bevölkerung zu gering.'

Noch am selben Tag begannen sie und die Freunde aus der Illegalität mit der politischen Arbeit:

'Wir gründeten als erstes eine sogenannte " Freie Gewerkschaft". Wir bildeten ein Gremium von 7 Personen. Alle gehörten dem Widerstand an und waren Vertreter der verschiedenen ehemaligen politischen Parteien der Weimarer Republik. Ich war zuerst einmal die einzige Frau in diesem Gremium.'

Sie konnten endlich wieder politisch arbeiten. Sie waren endlich frei!

Mein Vater (Heinz-Joachim Heydorn ) erlebte seine Befreiung schon früher – genau am 24. August 1944, einem Donnerstag um 19 Uhr 57 in einem kleinen Dorf in der Normandie, so hat er es selbst notiert.
Er war 1944 an der Westfront desertiert, gesucht und in Abwesenheit verurteilt worden, hatte sich verstecken und in Wäldern schlafen müssen, bis er den ersten Engländer sieht und ihm begeistert in die Arme läuft und natürlich als Deutscher sofort verhaftet wird. Auch er hat selbst geschildert, was er fühlte :

'Seit Jahren habe ich Tag um Tag nur an diese eine Stunde gedacht, daß dieses Deutschland zusammenbrechen wird, habe sie herbeigewünscht und herbeigefleht.'

Sein Fluchttagebuch endet mit dem Satz:

'Heute habe ich freien Tag.'

Er war in Kriegsgefangenschaft, er war bei den Engländern, er war endlich frei! Auch er begann sofort mit politischer Arbeit – die Engländer, die seine Haltung und Arbeit gegen die Nazis verifiziert hatten, ließen Bildungsarbeit zu – im Kriegsgefangenenlager.

Was bei allen Erzählungen meiner Eltern für mich immer spürbar war, war die große Differenz zur Mehrheit der Deutschen – was für meine Eltern eine echte Befreiung war, quasi ein neues Leben , was die Freunde in Paris und London auf den Strassen vor Freude tanzen ließ, war für die Mehrheit der Deutschen Niederlage und Kapitulation. Mit einer für mich oft nicht nachvollziehbaren Hoffnung, die sie und viele ihrer Freunde ein Leben lang behielten, begannen sie und viele andere an diesem 8. Mai 1945 eine neue Gesellschaft und Zukunft mitzugestalten, sich einzumischen – ohne zu zögern und das ist es, was bleibt –

die Möglichkeit der Identifikation mit Menschen, die etwas gewagt haben und die Aufgabe, diese Demokratie, für deren Entstehung so viele ihr Leben riskiert haben, zu schützen.

Der 8. Mai ist der Tag der unbeendeten Aufgabe. Die große Bedeutung, die der Geschichte damit zugemessen wird, ist somit zu verstehen aus dem Verhältnis von Geschichte und Zukunft.......

'Der deutsche Widerstand ist allein die wahre Kontinuität unserer Geschichte von 1933 bis 1945, weil er Geschichte der Zukunft ist. Er blieb zwar machtlos, aber er wies über sich hinaus.' (Heinz-Joachim Heydorn)

Mirjam Heydorn

 

"In meiner Schulzeit war die Zeit des Faschismus und die Befreiung kein Thema. Erst als junge Gewerkschafterin habe ich mit den ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis und dem grausamen Weltkrieg und seinen Folgen beschäftigt. Wir hatten damals Gewerkschaftskollegen als Zeitzeugen, die als Widerstandskämpfer*innen die von den Nazis wegen ihres politischen und demokratischen Engagements in Gefängnisse, Zuchthäuser und Konzentrationslager gesteckt und dort gequält und misshandelt wurden. Andere mussten wegen der Verfolgung ins Exil gehen und lebten dort unter schwierigsten Bedingungen und leisteten von dort weiter Widerstand . Neben dem Dank an die Alliierten, die uns vom Faschismus befreit haben, müssen wir am 8. Mai deshalb aber auch an all diejenigen Menschen danken, die mutig und engagiert gegen die Nazis gekämpft, deshalb viel gelitten haben oder ihr Leben für die Befreiung opferten.

Für mich ist dieser Tag einerseits ein Feiertag, andererseits aber auch ein Vermächtnis und eine Lebensaufgabe, dass ich als Gewerkschafterin, Antifaschistin und Bürgerin dieses Landes mit dazu beitrage, dass deren Leid nicht umsonst war, dass Demokratie und Menschenrechte auch heute aktiv verteidigt werden."

Gudrun Schmidt

 

"Mir bedeutet der 8. Mai in erster Linie den Sieg über das faschistische Deutschland. Ein wichtiger Sieg, immerhin hat Nazi-Deutschland 50 Mio. Kriegstote und Ermordete zu verzeichnen. Nicht auszudenken wie die Welt, so sie noch bestünde, aussehen würde, wenn das nationalsozialistische Regime, überlebt hätte."

Horst Schmitthenner

 

 

"Der 8. Mai, der Tag der Befreiung, ist für mich ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Aber auch die Erinnerung an mir nahestehenden Kollegen, die nicht mehr da sind und mir Kraft und Rückhalt gaben: Willi Schmidt, Etti und Peter Gingold, Artur Roth, Alfred Marchand, Paul Grünewald, Emil Carlebach, Willi Malkomes, Lotte und Emil Schmidt."

Horst Koch-Panzner 

 

 

"Der 8. Mai sollte gesetzlicher Feiertag werden!"

Reinhard Bähnisch